American Football Verband Hessen e.V.

Grundsatzerklärung

Frankfurt, den 29. November 2000

 

Grundsätze zur Genehmigung von Wechselanträgen von Vereinen oder Vereinsabteilungen

Beschluß des Verbandsvorstandes vom 29.11.2000

1. Der AFV Hessen e. V. spricht sich für eine kontinuierlich entwickelte und gewachsene Vereinsstruktur aus. Hierzu gehören finanzielle Solidität, kontinuierliche Jugendarbeit und ein dem Geiste der Kameradschaft im Sport angemessenes Verhalten.

2. Der AFV Hessen e. V. begrüßte jede Vereinsaktivität und jedes Bestreben, die diese Ziele fördern.

3. Nach diesen Kriterien begrüßt der AFV Hessen e. V. die Neugründung eines jeden neuen American Football oder Cheerleading-Vereins in Hessen oder auch die Anpassung nicht mehr zeitgemäßer Vereinsstrukturen durch Fusionen, Zusammenlegung, Ortswechsel oder Kooperationen zwischen Vereinen, sofern dadurch bestehende funktionierende Vereine oder Strukturen nicht in Mitleidenschaft gezogen werden.

4. Der AFV Hessen e. V. spricht sich jedoch gegen solche Vereinsstrukturen aus, die bereits in der Vergangenheit bewiesen haben, daß diese dem American Football-Sport nicht förderlich waren, sondern durch Negativschlagzeilen in der Presse, Lizenzentzüge, Verbandsstrafen oder sonstiges dem Ansehen des Football abträgliches Verhalten dokumentiert haben, daß sie dem American Football Sport schaden. Hier ist der eingetretene oder noch zu befürchtende weitere Imageschaden des American Football-Sports abzuwägen gegen das Interesse des einzelnen Vereins. Dabei hat das Wohl des Sportes und des gesamten Verbandes den Vorrang vor dem eines einzelnen Vereins.

Eingedenk dieser Überlegungen wird der Verbandsvorstand, die Anträge der Aschaffenburg Stallions e. V./ ASC Rhein-Main Eagles Frankfurt e. V. nach diesen Kriterien prüfen und entscheiden. Hierbei sollten insbesondere die Entscheidungen der Rechtsinstanzen des AFV Deutschland e. V. zu den Spielausfällen in München und Landsberg zu Rate gezogen werden. So ist der Wechselantrag dann abzulehnen, wenn der Bundesrechtsausschuß des AFV Deutschland e. V. zu dem Ergebnis kommen sollte, daß die Aschaffenburg Stallions e. V. den Spielausfall in Landsberg schuldhaft verursacht haben. Aus Respekt vor der Unabhängigkeit der Rechtsinstanzen des AFV Deutschland e. V. gilt es, diese Entscheidung jedoch noch abzuwarten, bevor eine endgültige Entscheidung für den AFV Hessen e. V. gefällt wird.

Zur Begründung:

Die Satzung des AFV Hessen e. V. und die Bundesspielordnung des AFV Deutschland e. V. sehen eine Genehmigungspflicht für Orts- und Namenswechsel von Vereinen vor. Diese Genehmigung darf jedoch nicht willkürlich versagt werden, sondern eine Ablehnung muß sachlich begründet sein. Wird ein Antrag willkürlich abgelehnt, so kann der betroffene Verein die ordentlichen Gericht anrufen und dort sich im einstweiligen Verfügungsverfahren die Genehmigung erstreiten bzw. den Verband später auf Schadensersatz verklagen. D. h. würde der Wechselantrag ohne sachlichen Grund abgelehnt, so drohen bei einer GFL-Mannschaft Schadensersatzansprüche in Millionenhöhe.

Sachliche Gründe für eine Ablehnung wären:

  • Rückständige Beiträge
  • Laufendes Verbandsstrafverfahren, dem sich der Verein durch den Wechsel entzieht
  • Sonstige schwerwiegende Gründe

Dabei sind strukturpolitische Gründe, wie etwa Gebietsschutz bestehender Vereine, rechtlich unbeachtlich. Ein theoretischer Ansatzpunkt für die Ablehnung eines Wechselantrags wäre jedoch ein überragendes Interesse des Verbands auf Schutz seiner Mitgliedsvereine vor solchen Vereinen, die das gesamte Mitgliedsgefüge zerstören und damit allen bestehenden Mitgliedern schaden. Dies könnte möglicherweise bei einem Verein vorliegen, der durch rechtskräftige Entscheidung der Rechtsorgane schwerwiegend gegen die Satzung und die Ordnungen des Verbandes verstoßen hat. Hier könnte vor Gericht dann argumentiert werden, daß der Verband nicht gezwungen werden könne, einen Verein aufzunehmen, den er, wenn er bereits Mitglied gewesen wäre, wegen dieser schweren Verfehlungen, ausgeschlossen hätte. Dies erfordert jedoch zunächst einmal eine Entscheidung der Rechtsorgane, also im vorliegenden Fall, des AFV D-Bundesrechtsausschusses. Sollte dieser zum Ergebnis kommen, solche Verfehlungen lägen vor, so könnte der Verbandsvorstand, darauf gestützt, die Wechselanträge ablehnen. Käme der Bundesrechtsausschuß jedoch zu dem Ergebnis, dem Verein sei kein pflichtwidriges Verhalten vorzuwerfen, so ist kein sachlicher Grund erkennbar, die Genehmigung zu verweigern. Somit hängt letztlich alles daran, wie der Bundesrechtsausschuß in Sachen des Spielausfalls Landsberg ./. Aschaffenburg entscheidet.

Einem neugegründeten Verein, der seinen Spielbetrieb nicht als Rechtsnachfolger eines bestehenden Vereins aufnimmt, kann die Aufnahme, sofern alle Aufnahmeunterlagen vorliegen, nicht verweigert werden. Hierzu gibt es Rechtsprechung. Dieser Verein müßte jedoch in der untersten Liga seinen Spielbetrieb aufnehmen.

Nach dieser Richtschnur wird der Verbandsvorstand seine Entscheidungen in dem konkreten Fall treffen.


Pressesprecher AFV Hessen
Andreas Gebek
Eichenstrasse 4
65933 Frankfurt am Main

Telefon: (0 69) 38 89 02
Büro: (0 69) 9 58 08-1 24
Fax: (0 69) 38 89 02
E-Mail:
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